Middelburg und The Roosevelt

Es ist eine der wichtigsten Monumentenstädte der Niederlande und eine der beliebtesten Reiseziele für einen Wochenendausflug. Doch es war hier bis vor kurzem schwierig, eine Übernachtungsmöglichkeit auf einem entsprechenden Niveau zu finden. Aber nun gibt es das Hotel The Roosvelt im ehemaligen ‚Polderhaus’.

Dass der jüngste historische Actionfilm über Michiel de Ruyter weitgehend in Middelburg aufgenommen wurde, wird niemanden überraschen. Zumindest niemanden der jemals seinen Fuß in diese monumentale VOC- Stadt (niederländische Ostindische-Kompanie) an der Spitze Walcherens gesetzt hat. Wer von dem mittelalterlichen Kuiperspoort, durch die Spanjaardstraat oder zu Fuß entlang der Kais läuft, wähnt sich von selbst auf einem Filmset eines historischen Blockbusters. Oder zu Zeiten als Middelburg die größte Handelsstadt im damaligen Norden der Niederlande war und die Ostindienfahrer ihre wertvollen Waren in den Lagerhäusern des Binnenhafens lagerten.

In Middelburg liegt die Geschichte auf der Straße. Die Stadt hat mehr als 1.100 Denkmäler und es gäbe viel mehr, wenn nicht ein Teil des Zentrums, genauso wie Rotterdam, während des zweiten Weltkrieges bombardiert worden wäre. Zum Glück wurde fast alles nach dem Krieg in seinen ursprünglichen Zustand wiederhergestellt, wo von Middelburg heutzutage profitiert. Viele Touristen werden durch das historische Grandeur, die exquisiten Restaurants, eine Vielzahl an Geschäften und der freundlichen Atmosphäre angezogen. Aber auch durch die nahe gelegenen Strände und benachbarten Städtchen wie Domburg und Veere.

Middelburg, man hat zwar eine längere Anreise, aber dafür bekommt man auch etwas geboten!

Marktlücke

Gerade wegen dieser Entfernung (fast zwei Stunden Autofahrt von Utrecht) und wegen des besonderen Angebots, entscheidet man sich schnell hier zu übernachten. Das erwies sich bis vor kurzem nicht immer als einfach. „Aufgrund der geringen Anzahl von Übernachtungsmöglichkeiten, war die Stadt immer schnell ausgebucht“, sagt Martin van de Louw, Inhaber des Boutique Hotels The Roosevelt. Das galt auch für Van der Louws eigenem B&B „Guesthouse 1560“, welches in einem 450 Jahre alten Gebäude am Kinderdijk untergebracht war. Martin und seine Frau Raymonde sahen eine Marktlücke. Die Stadt hatte eine klare Notwendigkeit für ein High-End-Hotel, zentral gelegen und doch einfach zu erreichen. Aber wo sollte man angefangen? Die Gelegenheit ergab sich, als das mit Blick auf die Nieuwe Kerk gelegene ehemalige Polderhaus frei wurde. „Es war Sitz des Polderrats, der die Deiche von Walcheren bewachte und Steuern von den Bauern eintrieb“, sagt Martin. „Die Keller wurden während des Krieges nach der Bombardierung am 17. Mai 1940 gebaut. In 1947 wurde der Wiederaufbau abgeschlossen. Das Gebäude erhielt die Ausstrahlung einer Art von Unnachgiebigkeit, die Sie an dem robusten und massiven Erscheinungsbild erkennen können. Es sollte für Jahrhunderte errichtet werden“.

Vom Safe zum Badezimmer

Das Polderhaus befindet sich mitten auf der „Burg“, dem oberen Teil, welcher der Stadt ihren Namen gab. Nach Jahren des Leerstands sahen Martin und Raymonde hier ihre Chance. Dank ihrer Lobbyarbeit bekam das Gebäude eine neue Verwendung als ein Vier-Sterne Boutique Hotel mit 28 Zimmern, einer trendigen Bar und einer Gartenterrasse. Dank einer ausgeklügelten Sanierung brauchte nicht viel abgerissen und wieder aufgebaut zu werden. Safes verwandelten sich in Bäder und Küchen in Schlafzimmer. Das Botenhaus wurde in zwei Suiten aufgeteilt, die jeweils über eine eigene private Terrasse verfügen. Die Zimmer sind zwar unterschiedlich, aber das Dekor (modernes Design mit markanten Farben) und der Komfort sind überall gleich. Alle Flachbild-Fernseher sind mit „Mirroring“ ausgestattet, wodurch Sie einfach Ihre eigenen Fotos und Videos von Ihrem Handy oder iPad auf dem Bildschirm ansehen können. Martin: „Zu unseren Gästen sagen wir: Bringen Sie Ihre eigenen Inhalte mit, so dass Sie nach einem langen Tag in der Stadt nicht auf das TV-Programm angewiesen sind.“

Franklin D. Roosevelt

Am 11. März 2015, nach nur einem halbem Jahr Sanierung, öffnete Hotel The Roosevelt. Der Name bezieht sich auf die Verbindung zwischen Zeeland und Franklin D. Roosevelt, dem ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten. Nicht nur, dass der Präsident Vorfahren aus Zeeland hatte, sondern es werden auch alle zwei Jahre in der Kirche gegenüber dem Hotel die „Four Freedom Awards“ im Beisein der königlichen Familie und den Nachkommen der Roosevelts vergeben. Die Preisträger erinnern an Roosevelts berühmte „State of the Union“ im Jahre 1941 in der er festhielt, dass jeder Weltbürger das Recht auf vier Menschenrechte hat: Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Schutz vor Not und Schutz vor Angst.

Trotz seiner Nachkriegsgebäude erinnert das Hotel - wie der Rest von Middelburg - an viel frühere Zeiten. Die hohen Fenster und Decken, dicken Mauern, schwere Türen und Holzbalken verleihen dem Gebäude eine klassische Ausstrahlung. Die steinerne Wendeltreppe zum Türmchen scheint sogar direkt aus einer mittelalterlichen Burg zu entstammen. Auf dem höchsten Punkt sind alle Denkmäler von Middelburg auf einen Blick zu sehen: von der Abtei auf der anderen Seite der Kirche bis hin zum Rathaus auf dem Markt, das im spätgotischen Stil erbaut wurde. Das Meer und der Rest von Walcheren sind bei klarem Wetter ebenfalls zu sehen.

Stadt und Strand

Seit seiner Eröffnung war das Hotel schon einige Male ausgebucht. The Roosevelt empfängt vor allem Gäste, die an den kulturellen und kulinarischen Schätzen Zeelands interessiert sind. „Diese Region zieht zwei Arten von Touristen an“, sagte Raymonde. „Erstens gibt es die Leute, die ausschließlich wegen der Strände kommen und die dann auch in der Nähe der Küste übernachten. Und dann gibt es eine weitere Gruppe, die wegen der Stadt kommt. Sie sind interessiert an deren Geschichte, genießen das gute Essen und gehen hier gerne einkaufen. Wir vermuten, dass Sie zu dieser Gruppe gehören. Hier sind Sie wirklich ein Wochenende aus Ihrem Alltag raus, in einer Welt, die auch den meisten Niederländern unbekannt ist. Darüber hinaus ist der Strand nie weit entfernt und Sie stehen hier nicht im Stau wie bei vielen Stränden an der Küste von Nord- und Südholland. Auch nicht nach der Eröffnung des West-Schelde Tunnels, wodurch viele Flamen lieber die ruhige Küste von Zeeland ihren eigenen überfüllten Stränden vorziehen. Und wissen Sie auch, dass es hier oft schöneres Wetter als im Rest des Landes gibt? Wir haben bei weitem die meisten Sonnenstunden.“

Tipps von The Roosevelt

  1. Schlendern Sie zu Fuß während des Events „Kunst- und Kulturroute“ an jedem ersten Sonntag eines Monats von Atelier zu Atelier, von Galerie zu Galerie und vom Museum zum Kunsthaus. Die gastgebenden Teilnehmer sind durch eine Fahne mit dem Logo der Route gekennzeichnet. www.kunstroutemiddelburg.nl
  2. Middelburg hat eine Reihe von ausgezeichneten Restaurants die nach unserer Einschätzung auf Sterneniveau kochen, aber noch keine Vier-Sterne-Preise berechnen. Sehr zu empfehlen sind „De Gouden Bock“, „De Gespleten Arent“, „Scherp“ und „De Eetkamer“.
  3. Walcheren bietet 38 Kilometer Sandstrand und man liegt praktisch nie „wie die Ölsardinen“ nebeneinander. Der Strand von Dishoek ist ein schönes Wandergebiet am Rande einer besonderen Dünenlandschaft (www.dishoek.com).
  4. Mittagessen am Strand? Strandpavillon Strand 90 in Domburg serviert köstliche Gerichte in einer trendigen Umgebung. www.strand90.nl Das ‚Zeeuws Museum’ ist Teil der Abteianlage hinter der Nieuwe Kerk und wurde zurecht für dem nationalen Museumspreis 2015 nominiert. Das Museum bewahrt mehr als 30.000 Kunstschätze, die ein Bild von der Vergangenheit Zeelands zeigen. www.zeeuwsmuseum.nl
  5. Erkunden Sie Middelburg vom Wasser aus und fahren mit einem Rundfahrtboot durch die Kanäle. Sie fahren in offenen Booten entlang der alten Lagerhäuser und monumentalen Gebäude, die an die reiche Vergangenheit der Stadt erinnern. www.rondvaartmiddelburg.nl